Scheckübergabe zum Wiederaufbau der grünen Zwillingsmühle in Greetsiel.

Bild oben: Greetsieler Zwillingsmühlen; Quelle: wikipedia.de

Mühlen haben in der Kultur- und Baugeschichte Ostfrieslands seit Jahrhunderten  ihren festen Platz und werden erstmalig 1424 urkundlich erwähnt (Kloster Marienkamp nahe Esens). 1439 wird von einem Mühlenbau in Emden berichtet, 1448 von einer klösterlichen Mühle in Jemgum. In Ostfriesland lassen sich hauptsächlich zwei Typen unterscheiden: die Bock- oder Ständermühle und die Holländermühle, die hier etwa Anfang des achtzehnten Jahrhunderts aufkam. Sie ist wegen ihrer baulichen Vorteile zur typischen Mühle Ostfrieslands geworden.

Auch in Greetsiel hat es diese Entwicklung gegeben. 1706 wurde am Standort der heutigen roten Mühle ein Erdholländer errichtet. Schon 1736 brannte sie bis auf die Grundmauern ab. Die als einstöckiger Galerieholländer wie­der aufgebaute Mühle fiel 1920 den Flammen zum Opfer. 1921 wurde sie dann mit dem ca. 200 Jahre alten Ständerwerk der abgebrochenen Auricher Wallmühle als zweistöckiger Galerie­holländer neu erstellt.

Über einhundert Jahre - von 1844 bis 1950 - gehörte diese Mühle der Familie Müller. Heinrich B. Müller jun. ver­kaufte sie dann im Frühjahr 1950 an Müllermeister Lükko Schoof und dessen Frau Ingrid, die den Betrieb am 1.7.1992 an ihren Sohn Frank übertrugen. Die Mühle ist nach wie vor voll funktionsfähig und es werden Schrot und Mehl mit Wind- und Motorkraft für den Landwarenhandel hergestellt. Im Erdgeschoss der Mühle befindet sich mittlerweile ein Mühlenladen, in dem frisch gemahlenes Mehl, Brote, Vollkornartikel, Teegeschirr und vieles mehr angeboten werden.

 

Auf dem Standort der westlichen (ortsnäheren) roten Mühle stand bereits im Jahre 1613 eine Bockwindmühle, die im Februar 1662 einem Sturm zum Opfer fiel. Der Neubau konnte schon im August desselben Jahres in Betrieb gehen. 1856 ließ der Grimersumer Gutsbesitzer Bussen dort einen zweistöckigen Galerieholländer erbauen, der ab Februar 1857 genutzt wurde. Von 1863 bis 1921 waren die Müller Johann Siemsen und anschließend dessen Sohn Leonard Siemsen Pächter der Bus­senschen Mühle. 1921 kaufte der Müllermeister Gerhard Schoof diese Mühle und betrieb sie gewerblich bis 1964 und zum Eigenbe­darf noch bis 1972. Im Herbst 1972 musste dann der Betrieb eingestellt werden. Ein durch Sturm verur­sachter Flügelbruch legte die Windmühle lahm. 1974 verstarb Gerhard Schoof. Sein Sohn Lükko erbte die Mühle. Auf Grund der großen finanziellen Belastungen durch die Mühlenerhaltung sah er sich 1975 gezwungen, die Mühle an den damaligen Landkreis Norden zu verkaufen. In Zusammenarbeit mit der ebenfalls seit 1975 existierenden "Vereinigung zur Erhaltung der Greetsieler Zwillingsmühlen" konnten 1976 der abgebrochene Flügel repariert und eine Teestube mit Kunstgalerie in den beiden unteren Etagen der Windmühle eingerichtet werden. Im Zuge der Kreisreform wurde 1978 der Landkreis Aurich Eigentümer der Mühle. Der Landkreis wiederum überschrieb sie im Jahre 1990 unentgeltlich an die Greetsieler Mühlenvereinigung. Seitdem unterhält die Mühlenvereinigung erfolgreich diese Mühle.  

Bild oben: Die am 28.10.2013 beschädigte Mühle; Quelle: wikipedia.de

Am 28.10.2013 erlitt die grüne Mühle während des Orkans »Christian« einen schweren Schaden: Kappe, Flügelkreuz und Galerie wurden vom Orkan bei einer Windgeschwindigkeit von 172 km/h von der Mühle gerissen und beschädigten dabei noch den steinernen Achtkant auf Höhe der Galerie. So entstand innerhalb von wenigen Minuten ein Schaden von mehr als 300000 Euro. Er hätte wesentlich höher ausfallen können, wenn die Mühlenflügel nicht aus dem Wind gedreht worden wären und die Mühle in Brand geraten wäre – die komplette Zerstörung wäre die Folge gewesen. Der Mühlenförderverein Greetsiel, der sich aufgrund der hohen Kosten eine Sturmschadenversicherung nicht leisten konnte, hat auf seiner homepage http://www.greetsieler-zwillingsmuehlen.de und http://www.zwillingsmuehlen.de zu Spenden für den Wiederaufbau aufgerufen.

 

Der Verein ANNO hat nach Beratung im Vorstand und auf der Mitgliederversammlung den Beschluss gefasst, den Wiederaufbau der Mühle zu unterstützen und übergab am 4.11.2014 in der Mühle einen Scheck in Höhe von 1.000 Euro an den Vorstand des Vereins zur Erhaltung der Greetsieler Zwillingsmühlen e.V.


Bild: Scheckübergabe am 4.11.2014 an den Verein zur Erhaltung der Greesieler Zwillingsmühlen e.V.

V.l.n.r.: Volkmar Kayser, Hero-Georg Boomgarden (Vorstand ANNO); Frank Schoof, Jürgen Müller, Vorstand des Vereins zur Erhaltung der Greetsieler Zwillingsmühlen e.V.