Verliebt in krumme Dachbalken

ANNO IN DER PRESSE • OZ-SERIE • 1/04

Ausgabe vom Freitag, 26.Juli 2002
Leben in alten Häusern (4) von Michael Esders.

Verliebt in krumme Dachbalken

Theo Oltmanns restauriert altes Landhaus in Nortmoor / Den Galeristen aus Unkel bei Bonn zieht es in die alte Heimat

Gulfhöfe, Landarbeiterhäuser, alte Schmieden: Ostfriesland hat viele Baudenkmale, die zu verfallen drohen. Der 2000 gegründete Verein Anno versucht, die alten Gemäuer vor der Abrissbirne zu bewahren. Die OZ stellt Häuser und Restauratoren in einer Serie vor

Nortmoor. Von außen sieht das Gebäude an der Warf in Nortmoor wie ein typisches Landarbeiterhaus im ostfriesischen Stil aus. Hinter der unscheinbaren, etwas verfallenen Fassade aber birgt es Überraschungen: Die Balkenkonstruktion der Scheune ist derart krumm und schief, dass man sich wundert, wie sie das Haus 200 Jahre tragen konnte. »Die Balken sind naturgewachsen«, erklärt Theo Oltmanns. »So etwas Bizarres habe ich vorher noch nie gesehen.« Der aus Westrhauderfehn stammende Galerist hat das Haus vor zwei Monaten gekauft und gerade mit der Restaurierung begonnen.

 

Eigentlich wollte der vorige Besitzer Theodor Nannen sein halb verfallenes Elternhaus abreißen, um auf seinem Grundstück Platz zu schaffen. Nannen war zunächst ziemlich sauer, dass er keine Abrissgenehmigung erhielt, weil das Haus unter Denkmalschutz stand. »Jetzt bin ich eigentlich ganz froh darüber, dass es wieder so hergerichtet wird, wie es früher einmal ausgesehen hat«, sagt der 65-Jährige. »Da ist man ja schließlich geboren.«

Rückblick: Mit 21 Jahren war Theodor Nannen in den Neubau nebenan gezogen, um dort eine Fleischerei zu eröffnen. Anschließend lebten in dem kleinen, geduckt wirkenden Gebäude nur noch Nannens Eltern. Seit dem Tod der Mutter vor fünf Jahren steht das Haus leer. Ursprünglich gehörte das Landhaus der Familie Dänekas. »Bis mein Vater dort eingeheiratet ist«, berichtet Theodor Nannen.

Die Anno-Vorsitzende Insa Uphoff hat Theo Oltmanns auf das von der Abrissbirne bedrohte Schmuckstück aufmerksam gemacht. Als studierter Kunsthistoriker kennt sich der 64-Jährige mit Denkmalpflege und alten Häusern aus. Für die Restaurierung seines eigenen Hauses in Unkel bei Bonn hat er sogar einen Regionalpreis gewonnen. »Ich habe schon länger etwas in meiner alten Heimat gesucht«, erzählt der in Leer aufgewachsene Galerist. »Ich hatte ein Ferienhaus in Schleswig-Holstein gepachtet, aber der Vertrag ist jetzt ausgelaufen.«

Bisher war Theo Oltmanns vor allem mit Aufräumen beschäftigt. Die Pläne, wie das Haus einmal aussehen soll, sind schon recht konkret: Der Anbau der ehemaligen Fleischerei, der wie ein Fremdkörper wirkt, kommt weg. Eine Feuerstelle kommt rein. »Wenn auch nicht an den alten Platz.«

Die Dachpfannen sollen zum größten Teil erhalten bleiben. Bei den Blockrahmenfenstern und Türen muss das Holz teilweise ersetzt werden. Die Scheune hat Oltmanns als Wohnraum eingeplant. Die schiefen Balken, die jeden Statiker zum Kopfschütteln verleiten, sollen sichtbar bleiben. »Noch habe ich aber keinen Bauantrag gestellt«, sagt Oltmanns. Neben dem Bauantrag braucht er auch noch eine denkmalrechtliche Genehmigung. »Ganz schön viele Formalitäten«, findet er.

In einem Jahr sieht das Haus wieder fast so aus wie früher, verspricht der Galerist. Nach der Restaurierung soll es als Wohnhaus genutzt werden. »Vielleicht zieht meine Tochter ein, vielleicht ich selber.«