Zwei Häuser hinter einer Fassade

ANNO IN DER PRESSE • OZ-SERIE • 1/07
Ausgabe vom Dienstag, 6. August 2002
Leben in alten Häusern (7) von Michael Esders.

Zwei Häuser hinter einer Fassade

Drei Generationen halfen mit: Die Familie Boomgarden restaurierte »Oma Elskes Huus« und »Maukes Huus«

Gulfhöfe, Landarbeiterhäuser, alte Schmieden: Ostfriesland hat viele Baudenkmale, die zu verfallen drohen. Der 2000 gegründete Verein Anno versucht, die alten Gemäuer vor der Abrissbirne zu bewahren. Die OZ stellt einige Häuser und Restauratoren in einer Serie vor.

Groothusen. Zwei Häuser hinter einer Backsteinfassade: Das im First zweigeteilte Landarbeiterhaus in der Tiede-Ubbe-Straße in Groothusen ist eine Rarität. »So etwas gibt es nur zweimal in Ostfriesland - in Loppersum und in Groothusen«, sagt Hero Georg Boomgarden. Bereits vor 19 Jahren restaurierte der Emder »Oma Elskes Huus«. 1999 kaufte er auch die andere Hälfte und baute sie nach dem Vorbild von Oma Elskes Häuschen zurück.

 

Für die Arbeit in und an »Maukes Huus«, das er 1999 kaufte, opferte der Schulleiter seine Ferien und manches Wochenende. Die roten Backsteine waren hinter einer dicken Putzschicht verborgen. »Das ist tödlich«, erklärt das Anno-Mitglied. Der Putz hatte die Feuchtigkeit, vor der er die Steine schützen sollte, konserviert. Der Frost hatten dem Mauerwerk so zugesetzt, dass es zerbröckelte. »Wir mussten das Haus stückweise abtragen und in den alten Zustand zurückbauen.« Beim Abriss des Anbaus entdeckte Boomgarden das alte Fundament und eine Regenbacke. »Darin war noch Wasser, das seit 40 Jahren keiner mehr genutzt hat.«

Beim Rückbau halfen nicht nur Boomgardens Frau Inge, sondern auch Sohn Hajo und Vater Hero. »Drei Generationen haben mit angepackt«, sagt Hero Boomgarden senior stolz. »An eine solche Sache muss man mit viel Liebe gehen.«

Vergleichsweise wenig Mühe machte »Oma Elskes Huus«. 99 Jahre alt war Elske Müller, als sie 1983 starb. »Sie ist in der Butze geboren worden, hat darin sieben Kinder zur Welt gebracht und ist darin gestorben«, sagt Hero Boomgarden junior. Er vermutet, dass Elske Müller keine Nacht ihres langen Lebens außerhalb ihrer vier Wände verbracht hat. »Nur einmal ist sie bis nach Emden gekommen.«

Mit ihrem Ehemann Johann, mit ihrer Mutter und ihren sieben Kindern lebte Elske Müller zeitweise auf 16 Quadratmetern. Die Butze, der urige Stangenofen vor Delfter Kacheln und die »Updrögt Bohnen« sind heute noch zu sehen. Für die Boomgardens bestätigt das Haus die These, dass Armut der beste Denkmalschützer ist. Für eine Renovierung fehlte das Geld.

Die Raumaufteilung ließ Anno-Mitglied Hero Boomgardens unverändert. In den ehemaligen Stall, in dem Schweine und Schafe untergebracht waren, baute er Küche und Bad ein. Außerdem erneuerte er den hinteren Giebel. Sowohl »Oma Elskes Huus« als auch »Maukes Huus« sind heute Ferienwohnungen. »Die sind immer gut belegt«, sagt Boomgarden senior.

Während der Restaurierung tauchte die Familie in die Geschichte ein: Ursprünglich gehörte das 1840 erbaute Landarbeiterhaus den Brüdern Snap, die sich als Deicharbeiter verdingten. Ein Apfelbaum, eine Kletterrose und die Deckenvertäfelung stammen aus dem Jahr 1923. Damals machte die Familie Brons, die auf der Osterburg wohnte, jeder Familie in Groothusen ein Geschenk. Auf Oma Elskes Grundstück trägt der Apfelbaum auch heute noch Früchte. Vor »Maukes Huus« pflanzt Boomgarden im Herbst einen neuen Baum. Schließlich muss die Symmetrie stimmen.